
Schilddrüsenunterfunktion: Symptome, Ursachen – Massnahmen zur Unterstützung der Schilddrüse
Von Gabriele Urdl, Expertin für Integrative Ernährung mit Ausbildung im Bereich Ernährungswissenschaften und der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), Gründerin von Vital You ·
Kennst du das? Wenn dein Körper auf Sparflamme läuft
Du schläfst genug – und bist trotzdem müde. Du frierst schneller als früher. Deine Haut ist trocken, die Haare werden dünner, und dein Körpergewicht verändert sich, obwohl du in deiner Ernährung wenig verändert hast.
Viele Frauen ab 40 kennen genau dieses Gefühl. Und viele schieben es sofort auf die Wechseljahre.
Das kann stimmen. Es kann aber auch die SCHILDDRÜSE sein – ein kleines Organ am Hals, das einen grossen Teil deines Stoffwechsels steuert. Schauen wir uns gemeinsam an, was dahinterstecken kann.
Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) genau?
Die Schilddrüse bildet Hormone, die praktisch jeden Vorgang in deinem Körper mitsteuern – vom Energieverbrauch bis zur Verdauung. Bildet sie zu wenig davon, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion, im Fachbegriff Hypothyreose.
Das Gegenteil – zu viele Hormone – nennt man Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). In diesem Beitrag geht es um die Unterfunktion, weil sie bei Frauen ab 40 besonders häufig vorkommt.
Die gute Nachricht zuerst: Eine Unterfunktion lässt sich in der Regel gut behandeln. Meist verschwinden die Beschwerden vollständig, sobald die Hormonwerte wieder im Gleichgewicht sind.
Diese Symptome können auf eine Hypothyreose hinweisen
Weil Schilddrüsenhormone den ganzen Stoffwechsel verlangsamen, wenn sie fehlen, sind die Symptome breit gefächert. Nicht jede Frau hat alle davon – aber wenn dir mehrere bekannt vorkommen, lohnt sich ein Bluttest.
Körperliche Erschöpfung:
Schwäche und Müdigkeit
Ein niedriger Puls
Kurzatmigkeit
Psychische Signale:
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
Lethargie (Teilnahmslosigkeit)
Niedergeschlagenheit oder Stimmungsschwankungen
Körperliche Veränderungen:
Trockene, im Gesicht teigig wirkende Haut
Starker Haarausfall
Leichte bis mässige Gewichtszunahme
Heisere Stimme
Verstopfung
Kälteempfindlichkeit, ständiges Frieren
Muskel- oder Gelenkschmerzen
Fällt dir etwas auf?
Genau das ist der Punkt, an dem viele Frauen unsicher werden.
Wechseljahre oder Schilddrüse? Warum das oft verwechselt wird
Ich sage dir jetzt etwas, das ich in Gesprächen mit Kundinnen immer wieder höre: "Ich habe wirklich alle Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion – aber meine Werte beim Arzt sind angeblich in Ordnung."
Das ist kein Einzelfall. Müdigkeit, Gewichtszunahme, trockene Haut, Frieren, schlechte Laune – all das sind auch klassische Wechseljahres-Beschwerden. Kein Wunder, dass beides so leicht durcheinandergeht.
Das ist keine Ausrede und keine Einbildung. Das ist Biologie, die sich überlappt.
Deshalb rate ich dir: Wenn deine Beschwerden nicht zu deinem sonstigen Lebensstil passen, lass deine Schilddrüsenwerte ärztlich abklären – bevor du alles auf die Hormonumstellung schiebst und alle Symptome still akzeptierst. Wissen schafft Handlungskraft. Und Handlungskraft bewirkt Veränderung.
Die häufigsten Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion
Hashimoto-Thyreoiditis: Eine chronische, autoimmun bedingte Entzündung der Schilddrüse. Sie ist hierzulande die häufigste Ursache einer Unterfunktion.
Operation oder Radiojodtherapie: Wird die Schilddrüse ganz oder teilweise entfernt oder bestrahlt, bildet sie zu wenig oder gar keine Hormone mehr.
Ausgeprägter Jodmangel: Dein Körper braucht das Spurenelement JOD, um Schilddrüsenhormone überhaupt herstellen zu können. Dazu gleich mehr.
Bestimmte Medikamente: Zum Beispiel lithiumhaltige Antidepressiva oder zu hoch dosierte Medikamente gegen eine Überfunktion.
Angeboren: Selten genetisch bedingt, oder ausgelöst durch Jodmangel während der Schwangerschaft.
Stress: Dauerhafter Stress (körperlich oder mental) beeinflussen die Funktion der Schilddrüse negativ.
Fachleute unterscheiden hier zwischen der "primären" Unterfunktion (die Schilddrüse selbst ist betroffen) und der sehr seltenen "zentralen" Unterfunktion (Hirnanhangdrüse oder Hypothalamus steuern die Schilddrüse nicht richtig an).
Wie die Diagnose gestellt wird
Ärztin oder Arzt fragen zunächst nach deinen Beschwerden und tasten die Schilddrüse ab. Weil viele Symptome auch andere Ursachen haben können, folgt ein Bluttest.
Dabei wird meist zuerst das TSH gemessen – das Thyroidea-stimulierende Hormon. Es wird nicht in der Schilddrüse selbst gebildet, sondern in der Hirnanhangdrüse, und regt die Schilddrüse zur Hormonproduktion an.
Erhöhtes TSH kann auf eine Unterfunktion hinweisen.
Sind auch die freien Hormone fT3 und fT4 zu niedrig, bestätigt das die Diagnose.
Der Wert rT3 (reverse T3), die inaktive Form von T3, sollte ebenfalls bestimmt werden für ein ganzheitliches Bild. Dieser Wert wird standardmässig leider selten bestimmt.
Bei Verdacht auf eine Autoimmunreaktion werden zusätzlich Schilddrüsen-Antikörper bestimmt.
Übrigens: Ein leicht erhöhter TSH-Wert ohne Beschwerden heisst noch nicht automatisch, dass du behandelt werden musst. Man spricht dann von einer "latenten" Schilddrüsenunterfunktion – die sich manchmal von selbst wieder normalisiert ohne Medikament, aber mit einer Ernährungs- und Lebensstilanpassung.
Behandlung: Was L-Thyroxin leistet – und was Ernährung dazu beitragen kann
Bei einer bestätigten Unterfunktion wird das fehlende Hormon Thyroxin durch ein Medikament ersetzt – meist unter dem Namen L-Thyroxin. Es wird einmal täglich eingenommen, am besten eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser.
Bis sich der Hormonspiegel eingependelt hat, dauert es etwa zwei bis drei Monate. Die Dosierung wird anfangs regelmässig kontrolliert und später meist nur noch einmal jährlich überprüft.
Hier eine wichtige Klarstellung, die ich dir nicht vorenthalten will: Ist Hashimoto die Ursache deiner Unterfunktion, ersetzt keine Ernährung das Medikament. Eine ausreichende Jodzufuhr über die Ernährung kann aber vorbeugen, wenn Jodmangel die Ursache ist oder mitspielt – und sie unterstützt deine Schilddrüse in jedem Fall dabei, ihre Arbeit zu tun.
🍽️ Ernährungsempfehlungen: So bringst du genug Jod auf deinen Teller
Jod ist ein Spurenelement, das für die Funktion der Schilddrüse und viele Stoffwechselprozesse wichtig ist.
Der DGE hat die Referenzwerte für Jod im September 2025 überarbeitet: Statt der bisherigen gestaffelten Werte (200 µg bis 50, 180 µg ab 51) gilt jetzt für Erwachsene ein einheitlicher Wert von 150 µg Jod pro Tag. Schwangere und Stillende haben einen höheren Bedarf – das klärst du am besten mit deiner Ärztin oder Hebamme ab.
Natürlicherweise ist vor allem Fisch eine gute Jodquelle. Milch, Milchprodukte und Eier tragen ebenfalls dazu bei – abhängig davon, wie die Tiere gefüttert wurden.
Beispiele für Jodgehalt in Lebensmitteln:
Nori-Alge (1 getrocknetes Nori-Blatt ca. 2,5 Gramm): ca. 30 - 40 µg Jodgehalt (3 Blätter pro Tag sind O.K.)
Jodiertes Speisesalz (Portion von 2 g): 40 µg
Lachs (Portion von 100 Gramm): ca. 30 µg Jodgehalt
Kabeljau (Portion von 100Gramm: ca. 200 µg Jodgehalt
Seezunge (Portion von 100 Gramm: ca. 80 µg Jodgehalt
Mozzarella (Portion von 100 Gramm): ca. ca. 100 µg
Konventionelle Milch (Portion von 250 ml): ca. 30 µg
Ei, gekocht (Gewicht von 60 g): 9 µg
So setzt du das im Alltag um:
Baue die Lebensmittel im Laufe der Woche in deinen Speiseplan ein.
Verwende beim Kochen und Würzen jodiertes Speisesalz statt unjodiert.
❗Zwei Dinge, auf die ich dich hinweisen möchte:
Erstens: Getrocknete Algen und Seetang gelten oft als "Jod-Booster" – können in zu grossen Mengen aber ein Risiko darstellen. Schon 10 Gramm getrocknete Algen können deinen Tagesbedarf um ein Vielfaches überschreiten. Eine dauerhaft zu hohe Jodzufuhr kann eine Schilddrüsen-Überfunktion auslösen.
🕵️♀️Algen und Fischersatz-Produkte mit Algen werden immer beliebter. Sie sind zu einem Trendprodukt avanciert. Mittlerweile in vielen Supermärkten erhältlich. Es gibt zahlreiche verschiedene Algenarten. Verzehre idealerweise nur Bio-Produkte und bei Fertigprodukten jene, bei denen der Jodgehalt gekennzeichnet ist. Beispiele für Fertiggerichte mit Algenprodukten: Sashimi-Rollen eingewickelt in Nori-Algenblätter, Rohkostsalate mit Algennudeln, Sushi mit Wakame Blättnern, Miso-Suppe mit Wakame, etc.
Manche Algenarten haben einen extrem hohen Jodgehalt, sodass vor einem übermäßigen Verzehr gewarnt wird, da dies zu einer Jodvergiftung führen kann. Besonders bei Schilddrüsenüberfunktion oder Hashimoto sollten Sie Meeresalgen und jodhaltige Sushi-Sorten meiden.
Zweitens: Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln gilt – mehr ist nicht automatisch besser. Bei Jod-Nahrungsergänzungsmittel, die oft auf Algen und Seetang basieren, ist Vorsicht geboten! Präparate mit mehr als 100 µg Jod solltest du nicht dauerhaft ungeprüft einnehmen.
Über die Ernährung alleine ist eine Überdosierung kaum möglich. Ausser bei täglichem Konsum von o.a. Fertiggerichten mit Algenprodukten.
Vor Einnahme eines Jod-Produktes (Nahrungsergänzungsmittel) ist es empfehlenswert, den persönlichen Jod-Status zuerst von einem Arzt/Ärtzin oder HeilpraktikerIn bestimmen zu lassen und dann die empfohlen Menge einzusetzen.
Die wichtigsten Fragen zu Jod und Schilddrüse
Wie viel Jod brauche ich pro Tag?
Laut DGE-Referenzwert (Stand 2025) 150 µg für gesunde Erwachsene. Schwangere und Stillende brauchen mehr. *DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung).
Kann ich eine diagnostizierte Schilddrüsenunterfunktion allein mit Ernährung behandeln?
Dies ist sehr schwierig. Wenn bereits Hashimoto oder eine andere Erkrankung die Ursache für eine Unterfunktion ist, bedarf es einer fachärztlichen Betreuung.
Durch laufende Jodzufuhr mit Ernährung kann einer jodmangelbedingten Unterfunktion zumindest vorgebeugt werden und die Schilddrüse wird damit unterstützt.
Aus meiner Erfahrung mit vielen Kundinnen ist auch ein besseres Stress Management notwendig zur Unterstützung der Schilddrüse.
✨✨✨
Dein Körper sendet dir oft Signale. Es wird Zeit, sie zu verstehen – nicht tapfer dagegen anzukämpfen, sondern mit dem richtigen Wissen den Körper zu unterstützen.🧡
Erkennst du dich in einigen dieser Symptome wieder?
Erinnerst du dich, wann deine Schilddrüsenwerte zuletzt kontrolliert wurden? Vielleicht ist es an der Zeit einen aktuellen Stand prüfen zu lassen.
Falls dich das Thema Hormonbalance in den Wechseljahren generell beschäftigt – nicht nur die Schilddrüse, sondern auch Stoffwechsel, Energie und Gewicht – begleite ich dich gerne dabei, dein Gleichgewicht wiederzufinden.
Herzliche Grüsse,
Gabriele 🌺
Kurzer Hinweis für dich zur Einordnung: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung gehört ein Bluttest immer in ärztliche Hände.
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